Latenzprobleme? So verbessern Sie die Latenzzeiten bei der Aufnahme mit einem MIDI Keyboard!

Viele kennen das Problem: Man spielt eine Note auf dem MIDI Keyboard und der Ton kommt erst mit einiger Verzögerung im Lautsprecher bzw. Headset an. Hohe Latenzzeiten machen das Einspielen mit einem Keyboard teilweise einfach komplett unmöglich. Denn während man bereits die nächsten Noten eines Tracks einspielt, ertönen im Kopfhörer erst die zuvor gespielten Noten und erschweren die Song-Produktion und die Arbeit mit dem DAW (Digital Audio Workstation, das digitale Aufnahmeprogramm) extrem.

Wir möchten Ihnen an dieser Stelle einige Tipps & Tricks zeigen, wie Sie die Latenzzeiten mit einfachen Mitteln verringern können und so in der Lage sind, komplette Songs mit dem MIDI Keyboard Ihrer Wahl einzuspielen und aufzunehmen.

Einstellen / Einrichten des richtigen Treibers für Ihr Aufnahmeprogramm

Zunächst sollten Sie die Audio Einstellungen Ihres Aufnahmeprogramms aufrufen. Dort finden Sie Einstellungen rund um die Audio Hardware sowie Audio Treiber Settings. Oftmals sind hier Standard Windows Audio Treiber ausgewählt, die mit mehreren hundert Millisekunden Latenz eine Aufnahme mit dem MIDI Keyboard unmöglich machen. Häufig wird jedoch ein passender Audio Treiber bei Ihrer Audio Software mitgeliefert, den Sie dann bestenfalls auch nutzen sollten. In unserem Falle (bei FL Studio) findet sich der Asio4All Treiber bereits mit im Paket. Nachdem dieser erfolgreich installiert wurde, können wir ihn in den Audio Einstellungen von FL Studio auswählen.

latenz_verringern_midi_keyboardsDer Asio4All Treiber in der neusten Version bietet extrem kurze Latenzzeiten. So macht MIDI Keyboard spielen einfach Spaß!

Wie man im Screenshot erkennen kann, wird auch gleich die Latenz in Zahlen (nämlich 12 ms) neben der Buffer Length Anzeige dargestellt. Die Buffer Size von 512 Samples ist ein Standardwert, der bereits voreingestellt war.

Die wichtigsten Parameter für eine niedrige Latenz (Buffer Size)

Um eine möglichst geringe Latenz zu erzielen, kann es notwendig sein die Buffer Size anzupassen. Der Buffer ist nichts anderes als eine Art Puffer, ein im Arbeitsspeicher reservierter Bereich für Audio. Jede Änderung an diesem Wert verändert auch gleichzeitig die Latenz mit der wir unsere Audiosignale empfangen. Meistens wählt man hier 256 Samples oder 512 Samples, je nach Hardware kann der perfekte Wert bei Ihnen jedoch unterschiedlich sein. Hier hilft es, wenn man verschiedene Einstellungen ausprobiert. Eine niedrige Buffer Size ergibt eine geringere Latenz, höhere Buffer Size Werte ergeben dementsprechend eine höhere Latenz.

Warum also nicht einfach den kleinsten Wert der Buffer Size auswählen? Der Haken an der Sache ist, dass bei einem geringen Buffer Size Wert die CPU des PCs deutlich mehr beansprucht wird als bei einem größeren Wert. Schwache PCs erfüllen diese Anforderungen dann oftmals nicht, erbringen nicht die notwendige Leistung. Das Ergebnis sind dann oftmals unsaubere Töne, Kratzer und andere Störgeräusche im Audiosignal. Der Grund hierfür sind komplexe Tracks, die oft aus mehreren Spuren, Effekten und VSTs bestehen. Der Computer muss den Song also erst noch berechnen. Wie bei der Video Produktion auch, empfiehlt es sich also einen halbwegs leistungsstarken PC einzusetzen, wenn man mit einem MIDI Keyboard aufnehmen möchte. Ansonsten muss man eben mit einem höheren Latenzwert zurecht kommen.

Praktische, kostenlose Software zum Erkennen von Performance Problemen

Einige Hersteller bieten nützliche Tools an, um die System Performance zu testen, um zu sehen, ob der PC für die Aufnahme von Songs mit externer Hardware auch wirklich geeignet ist. Mit dem LatencyMon von Resplendence kann man Performance-Probleme rasch erkennen. Damit lassen sich Schwachstellen schnell ausmachen und eventuell sogar beseitigen. Die Software bietet einen Reiter „Drivers“ über welchen sie im Anschluß an den Performance Monitoring Test problematische Treiber auf Ihrem System erkennen können, die das Aufnehmen von Audio in Echtzeit erschweren oder gar unmöglich machen. Sortieren Sie die Ergebnisse nach „Highest Execution“. Treiber mit einem Wert von deutlich über 1 ms sollten entfernt, deaktiviert oder aktualisiert werden.

Noch mehr Tipps für eine bessere Latenz bei MIDI Keyboard Aufnahmen

Ein aufmerksamer Leser unseres Blogs hat uns einen weiteren praktischen Tipp verraten, wie man die Latenzzeit verringern kann, indem man einen geringeren Buffer Size Wert wählt. Indem man Spuren virtueller Instrumente und Effekte exportiert (Fachbegriff: Bouncen) und danach als Wave-Datei wieder importiert erspart man der CPU einiges an Rechenleistung, welche dann für eine geringere Buffer Size Einstellung und damit eine deutlich geringere Latenzzeit sorgt.

Wir hoffen, dass wir Ihnen einige hilfreiche Tipps und Tricks verraten konnten, wie Sie die Latenzzeit mit Ihrer Lieblings-Audiosoftware in den Griff bekommen können um perfekte Aufnahmen mit Ihrem MIDI Keyboard machen zu können!